Innere Medizin | Heimbeatmung / pneumologische ITS


Kontakt Heimbeatmung / pneumologische Intensivstation C-0

Stationsleitung:
Herr Oberarzt Dr. med. J. Holfert
Herr J. Purschwitz

Stationszimmer:
Telefon: +49 3523 65 - 239
Telefax: +49 3523 65 - 276


Das Fachkrankenhaus Coswig ist auf die Behandlung aller Lungenerkrankungen spezialisiert. Nicht jede dieser Erkrankungen ist alleine durch Medikamente therapierbar. Oft stellen sich Sauerstoffmangelzustände dar, verursacht durch die erkrankte Lunge. In diesen Fällen muss zur Aufrechterhaltung eines ausreichenden Sauerstoffgehaltes des Blutes, zur Versorgung aller anderen Organe eine externe Sauerstoffsubstitution durchgeführt werden.

Bei manchen Erkrankungen ist es erforderlich, kurzfristig im Rahmen einer akuten Verschlechterung der Erkrankung eine Sauerstoffsubstitution durchzuführen, oftmals kann dies dann nach dem stationären Aufenthalt beendet werden. Bei einigen schweren Erkrankungen ist auch eine Sauerstoffgabe in der Häuslichkeit dauerhaft erforderlich.

Nicht bei allen Lungenerkrankungen ist aber eine Sauerstoffgabe allein ausreichend. Es gibt auch eine Reihe von Erkrankungen, bei welchen die Lunge so sehr geschädigt ist, dass die Atemmuskeln diese nicht mehr ausreichend bewegen können, um einen Gasaustausch durchzuführen, aber auch Erkrankungen bei denen eine Deformität des Brustkorbes vorliegt, dass ebenso eine ausreichende Atemkraft nicht gewährleistet werden kann. Zudem gibt es eine große Anzahl an neuromuskulären Erkrankungen, welche das selbständige Atmen für den Patienten unmöglich macht.

 Für alle diese schweren Formen von Lungenerkrankungen oder Atemmuskelschwächen besteht die Möglichkeit der Beatmungstherapie. Diese kann sowohl nichtinvasiv über ein Beatmungs-Masken-System als auch invasiv über einen Luftröhrenschnitt, über ein sogenanntes Tracheostoma, durchgeführt werden. Die Beatmungsstation am Fachkrankenhaus Coswig hat sich auf beide Verfahren spezialisiert. Es ist möglich, Patienten mit einer nichtinvasiven Beatmung zu versorgen und weiter zu betreuen. Zudem wurde eine pneumologische Intensivstation etabliert, auf welcher auch invasiv über eine Trachealkanüle beatmete Patienten in unserem Haus versorgt werden können.

In Zusammenarbeit mit dem Sozialdienst unseres Hauses wird für alle Beatmungsformen die häusliche Versorgung organisiert. Unterschieden werden dabei verschiedene stationäre und mobile Applikationssysteme, welche dann durch die Klinikmitarbeiter bei der Krankenkasse des Versicherten beantragt und über externe Medizintechnikfirmen bereitgestellt und gewartet werden. In enger Kooperation mit dem Schlaflabor sowie der anästhesiologischen Intensivstation unseres Hauses ist es möglich, die gesamte Bandbreite von Atemmuskelschwächen durch eine Beatmungstherapie zu versorgen und die Patienten bestmöglich zu betreuen. 

Am Fachkrankenhaus Coswig wurde darüber hinaus seit ca. 15 Jahren ein Zentrum für Beatmungsmedizin aufgebaut. Von Beatmung spricht man, wenn ein Teil des Atmungssystems so schwer erkrankt ist, dass das Luftholen durch eine externe Maschinenpumpe unterstützt oder vollständig übernommen werden muss. Diese Erkrankungen werden nicht allein durch Lungenerkrankungen verursacht. Durch eine umfangreiche Vordiagnostik muss geklärt werden, welcher Teil der Atmung gestört ist. Dies können Nerven-, Muskel-, Knochen-, Stoffwechsel- und andere Krankheiten sein. In Abhängigkeit von der Schwere und der Art der Erkrankungen werden danach entsprechende Unterstützungssysteme ausgewählt, empfohlen und angelernt.

Für die Diagnostik und Therapie dieses Erkrankungskreises wurde eine spezielle Beatmungsstation geschaffen. Auf dieser werden Patienten mit akutem und chronischem Atemversagen betreut. Dafür wird ein umfangreiches Überwachungssystem vorgehalten sowie eine interdisziplinäre ärztliche Teameinheit zur Diagnostik. Unverzichtbar ist bei der Betreuung dieser häufig schwerstkranken Patienten eine kompetente atemfunktionsgeschulte physiotherapeutische Organisation. Erst in Zusammenschau aller erhobenen Befunde, einschließlich ethischer und auch palliativer Gesichtspunkte wird dann über geeignete Beatmungsverfahren entschieden, welches unter Umständen dauerhaft auch in der Häuslichkeit durchgeführt werden muss (Heimbeatmung). Dazu wird häufig die ganze Familie des Erkrankten mit einbezogen. Das Ziel ist immer die Erhaltung der individuellen Lebensqualität, welche sich bei jedem unterschiedlich darstellt. Sollte ein Beatmungssystem nach ausführlicher Überlegung und genügender Eingewöhnung nicht akzeptiert werden, muss auch dieses respektiert werden. In ausgewählten Fällen einer früheren Langzeitbeamtungsnotwendigkeit kann eine Reduktion der Beatmungsunterstützung empfohlen werden. Dazu erfolgt eine Prüfung auf Entwöhnbarkeit (Weaning-Station). Durch einen strukturierten, mehrtägigen Prozess kann dadurch in einigen Fällen eine Teil- oder vollständige Beatmung wieder erreicht werden.

Für die pflegerische Betreuung ist ein geschultes Team ausgewählt worden von Schwestern und Pflegern, welche sich gezielt weitergebildet haben zur Subspezialisierung „Atemtherapeut“. Diese haben eine umfangreiche Kenntnis der Atemphysiologie des Menschen erworben und dürfen teilärztliche Aufgaben selbständig durchführen. Die Ausbildung zum „Atemtherapeut“ erfolgt im Fachkrankenhaus Coswig selbst in mehrteiligen theoretischen und praktischen Kursen in Zusammenarbeit mit kooperierenden Beatmungskliniken aus Sachsen.

Seit mehr als 5 Jahren besteht am Haus eine Spezialstation für schwerste Lungenerkrankungen. Sie wird durch die Abteilung Pneumologie geleitet, betreut aber die Patienten interdisziplinär mit den Fachkollegen der Thoraxchirurgie und Anästhesie/ Intensivtherapie gemeinsam. Schwerste Lungenerkrankungen liegen vor, wenn ein Atemversagen nachgewiesen werden kann und zur Sicherung der Gasaustauschfunktion externe maschinelle Beatmungsysteme benutzt werden müssen. Dies kann prinzipiell durch jede Lungenerkrankung verursacht sein, durch Lungengefäß- oder Brustwanderkrankungen. Zur Klärung dieser werden die umfangreichen Diagnostikbereiche der ganzen Klinik genutzt. Es erfolgt eine enge Kooperation mit der pneumologischen Abteilung des Universitätsklinikums „Carl Gustav Carus“ Dresden und mit Lungentransplantationszentren in Deutschland.

Bei Patienten mit einer chronischen Atempumpeninsuffizienz, entweder primär bei z. B. neurologischen Erkrankungen (Muskeldystrophien, Muskelatrophien, Motoneuron-erkrankungen, Stoffwechselstörungen, etc.) oder häufiger sekundär bei chronischen und fortgeschrittenen Lungenerkrankungen wie v. a. der COPD, wird entsprechend den medizinischen Leitlinien der Fachgesellschaften eine intermittierende oder dauerhafte maschinelle Beatmung eingeleitet, die in der Häuslichkeit benutzt wird und Heimbeatmung oder genauer ausgedrückt als außerklinische Beatmung bezeichnet wird.

Diese wird an die individuellen Eigenschaften des Erkrankten angepasst, nachdem eine spezielle Diagnostik durchgeführt wurde (z. B. Lungenfunktion, Blutgasanalysen, Echokardiografie, Schlaflabordiagnostik, Computertomografie des Thorax, ggf. Bronchoskopie etc).

Es erfolgt dann eine individuelle Anpassung an den Beatmungszugang (Maske oder Trachealkanüle) und an das Beatmungsgerät. Parallel dazu werden der Patient und/oder die Angehörigen im Umgang mit dem Beatmungsgerät und –zubehör geschult, so dass ein möglichst selbständiger Umgang erreicht wird, ggf. wird über den Sozialdienst ein ambulanter Pflegeservice organisiert, der entweder teilweise oder vollständig die allgemeine Pflege und spezielle Beatmungspflege übernimmt. Zum Entlassungszeitpunkt erhält der Patient Kontakt zum außerklinischen Medizintechnikservice, an welchen er sich bei technischen Problemen wenden kann. Im weiteren Verlauf werden in regelmäßigen Abständen in Abhängigkeit der Grundkrankeit stationäre Kontrolluntersuchungen durchgeführt, um eine Anpassung der Beatmungseinstellung an Veränderungen zu gewährleisten.